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Willkommen im Zeitalter der „Digitalen Schizophrenie“

Michael Schöpf von S-CON Datenschutz im Gespräch mit dem Aufsichtsratsvorsitzende der Spar- und Bauverein eG, Walter Richter, über Datenschutz und Datensicherheit.


Walter Richter und Michael Schöpf

Experten unter sich: Walter Richter (links), Aufsichtsratsvorsitzender des Spar- und Bauvereins, mit dem Datenschutzbeauftragten Michael Schöpf.


Walter Richter: Herr Schöpf, der Missbrauch mit privaten Daten schreckt uns ständig auf. Sie sind der Datenschutzbeauftragte des Spar- und Bauvereins. Sind die Daten unserer Mitglieder beim Spar- und Bauverein sicher?

Michael Schöpf: Ja, das sind sie. Der Spar- und Bauverein unternimmt sehr viel, um den steigenden Anforderungen an den Datenschutz gerecht zu werden. Als externer Datenschutzbeauftragter wirke ich darauf hin, dass ein angemessener Datenschutz etabliert wird. Es gibt klare Regeln im Umgang mit personenbezogenen Daten, die Mitarbeiter/innen werden regelmäßig geschult und auf neue Risiken hingewiesen. Und, ganz wichtig, für die technische Sicherheit hat der Spar- und Bauverein die richtigen Partner, nämlich zum Beispiel für die Spareinrichtung das Rechenzentrum der Sparkassen, das für seine Zuverlässigkeit und hohe Sicherheit bekannt ist. Außerdem berate und prüfe ich, dass Aufsichtsrat und Vorstand ihren Pflichten nachkommen.

Walter Richter: Genau. Zuverlässige Partner sind wichtig, um die Daten unserer Sparer und Wohnungsnutzer sicher zu verwalten. Datenschutz und Datensicherheit sind in unserer digitalen Welt strategische Themen für den Spar- und Bauverein. Die erhöhten Anforderungen stellen auch uns als Aufsichtsrat vor große Herausforderungen. Wir haben eine Aufsichtspflicht und nehmen unsere Kontrollpflichten zu diesem Thema sehr ernst. Im Rahmen der Geschäfts- und Risikostrategie diskutieren Aufsichtsrat und Vorstand intensiv über Chancen und Risiken der Digitalisierung und etablieren die richtigen Maßnahmen, um dieser dynamischen Entwicklung gerecht zu werden.

Michael Schöpf: Richtig. Als Datenschutzexperte stelle ich fest, dass die Digitalisierung in allen Bereichen mit rasantem Tempo voranschreitet. Hierbei ist wichtig, dass beim Spar- und Bauverein, aber auch bei den Mietern und Sparern im privaten Umfeld, darauf geachtet wird, den neuen Datenschutzanforderungen gerecht zu werden. Es gibt immer mehr Programme und Möglichkeiten, Daten zu erfassen oder scheinbar kostenfreie Programme zu nutzen. Ich halte es für elementar, dass die Nutzer genau wissen, was mit ihren Daten passiert.

Walter Richter: Das heißt, ein Sparbuch beim Spar- und Bauverein kann nicht gehackt werden und die persönlichen Daten von Mitgliedern können nicht heimlich verkauft werden?

Michael Schöpf: Jedenfalls nicht beim Spar- und Bauverein. Hier gibt es klare Regeln und die Mitarbeiter gehen verantwortlich damit um. Das Risiko liegt bei den Nutzern selber, wenn sie ihre Rechner nicht ausreichend schützen oder leichtfertig mit ihren Daten umgehen. Walter Richter: Also mit anderen Worten: Es nützt mir der sicherste Safe in der Bank nichts, wenn ich die Kontonummer und das Passwort in der Kneipe auf dem Tisch liegen lasse. Also ist das größte Risiko die Person selbst.

Michael Schöpf: Sie sagen es. Deswegen spricht die Fachwelt ja auch von der „Digitalen Schizophrenie“. Es ist ja irre. Die Menschen geben alle ihre persönlichen Daten freiwillig direkt oder indirekt preis und wundern sich, wenn Google und Facebook alles wissen und die Daten an jeden, der dafür zahlt, weiterverkaufen. Heute wird für die Nutzung von vielen „kostenfreien“ Programmen mit einer neuen Währung bezahlt:

Wir zahlen mit der Preisgabe unserer persönlichen beziehungsweise persönlichsten Daten. In Fachkreisen spricht man davon, dass personenbezogene Daten das „neue Öl“ der Zukunft sind. Nicht umsonst gehören die Eigentümer von Google und Facebook zu den zehn reichsten Menschen der Welt – weil wir bereitwillig unsere Daten preisgeben.

Walter Richter: Das ist leider so. Die Menschen wundern sich, wenn sie plötzlich Probleme mit ihrem Arbeitgeber bekommen, höhere Versicherungsprämien zahlen müssen oder Bekannte sich abwenden. Aber: Durch die neue EU-Gesetzgebung bekommen wir doch ab Mai 2018 schärfere Reglungen, damit unsere Daten noch sicherer sind. Werden dadurch die Risiken abgewendet?

Michael Schöpf: Bezogen auf den Umgang mit Daten durch die Unternehmen werden die Risiken nicht gänzlich abgewendet, aber etwas verringert. Jedoch für die Bürger, die ihre Daten freiwillig mitteilen, leider überhaupt nicht.

Walter Richter: Wie können sich denn unsere Mitglieder als Privatperson schützen? Haben sie überhaupt noch eine Chance, ihr Smartphone oder ihren Computer sicher zu nutzen?

Michael Schöpf: Hierzu habe ich zwei Empfehlungen. Erstens: Geben Sie nur Daten oder Bilder preis, die Sie auch an ein schwarzes Brett heften würden. Zweitens: Achten Sie bei der Nutzung von Programmen darauf, ob unnötige Daten abgefragt werden und ob die Quelle des Programmes seriös ist. Es gibt Programme, insbesondere Apps bei Smartphones, die anstatt von sinnvollen Funktionen bösartige Viren und Malware auf das Smartphone einschleusen. Auch sollten Sie stutzig werden, wenn scheinbar harmlose Programme sich für Ihr Telefonbuch oder den GPS-Sensor interessieren und diese Informationen dann gegebenenfalls an Kriminelle übermitteln. Manche Apps erscheinen auf den ersten Blick gratis zu sein, locken Sie aber in eine Kostenfalle, indem sie heimlich Premium-SMS verschicken oder Sie zu einem teuren In-App-Kauf verleiten. Die Sicherheit Ihrer Daten ist dann in Gefahr.

Walter Richter: Herr Schöpf, vielen Dank für diese erste Anregung. Sie haben sich dankenswerterweise bereit erklärt, unseren Mitgliedern künftig in einer eigenen Kolumne in der „unter uns“ Tipps gegen Datenmissbrauch zu geben. Dafür schon einmal vorab herzlichen Dank. Ich denke aber auch, dass der Bundesgesetzgeber unter Verbraucherschutzgesichtspunkten regelnd stärker eingreifen muss.

Michael Schöpf: Das ist richtig. Die Forderungen nach mehr Datenschutz, auf das „Recht auf Vergessen“ und der Pflicht, Daten zu löschen, bestehen ja schon länger.

Walter Richter: Herzlichen Dank, Herr Schöpf. Durch Gespräche mit dem Vorstand wissen wir, dass der Spar- und Bauverein sich durch Sie sehr gut und sicher beraten fühlt. Unseren Mitgliedern können wir deshalb auch dank Ihrer Unterstützung versichern, dass wir alles dafür tun, dass die Daten beim Spar- und Bauverein sicher sind. Auf Ihre künftige Kolumne in der „unter uns“ freuen wir uns jetzt schon.

Zuerst erschienen in:

unter uns 6.2017

Mitgliederzeitschrift der Spar- und Bauverein eG, Hannover
www.spar-undbauverein.de

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